Chemical Vapor Infiltration
Die chemische Gasphaseninfiltration (Chemical Vapor Infiltration, CVI) ist ein etabliertes und hochspezialisiertes Fertigungsverfahren zur Herstellung von Hochleistungs-Keramikmatrixverbundwerkstoffen (Ceramic Matrix Composites, CMC) – wie Kohlenstoff/Kohlenstoff (C/C)-, Kohlenstoff/Siliziumkarbid (C/SiC)- und SiC/SIC-Verbundwerkstoffen – häufig unter Einbeziehung einer Bornitrid (BN)-Zwischenschicht. Das Verfahren ist eng mit der chemischen Gasphasenabscheidung (Chemical Vapor Deposition, CVD) verwandt, wurde jedoch speziell für poröse, faserverstärkte Substrate weiterentwickelt.
Beim CVI-Verfahren werden gewebte Kohlenstofffasersubstrate oder Kohlenstoffschäume infiltriert, indem reaktive Gase tief in deren Porennetzwerk eindringen. Im Inneren der Struktur zersetzen sich diese Gase bei erhöhten Temperaturen oder reagieren miteinander und bilden dabei dünne, hochreine keramische Schichten auf den inneren Oberflächen. Dies führt zu einer schrittweisen Verdichtung des Verbundwerkstoffs von innen nach außen und ermöglicht die Herstellung von leichten, zugleich jedoch extrem robusten Keramikwerkstoffen.
Industrien im Fokus
Automotive
C/C-Bremsen werden nicht nur in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt, sondern häufig auch in der Formel 1. Darüber hinaus bieten einige Hersteller von Hypercars und Hochleistungsfahrzeugen C/C-Bremssysteme als Option oder sogar serienmäßig in ihren Spitzenmodellen an. Diese Fahrzeuge sind darauf ausgelegt, Leistungsgrenzen auszuloten – genau hier spielen die Vorteile von Kohlenstoff/Kohlenstoff-Bremsen ihre Stärke aus.
CVI ist entscheidend für die Herstellung hochwertiger C/C-Bremsen, da der Prozess eine präzise Kontrolle über Materialqualität und -konsistenz ermöglicht. Die resultierenden Verbundwerkstoffe bieten überlegene Hitzebeständigkeit, geringes Gewicht, lange Lebensdauer und optimale Reibungseigenschaften – wesentliche Vorteile für anspruchsvolle Hochleistungsanwendungen im Automobilbereich.
Luft- und Raumfahrt
Chemical Vapor Infiltration (CVI) ist für die Luft- und Raumfahrtindustrie von entscheidender Bedeutung, da das Verfahren die Herstellung leichter, hitzebeständiger keramischer Verbundwerkstoffe ermöglicht. Diese Materialien sind essenziell für heiße Triebwerkskomponenten wie Turbinenschaufeln und Ventile, die das Gesamtgewicht von Flugzeugen und damit den CO₂-Ausstoß reduzieren. In anderen Anwendungen bieten sie entscheidenden Schutz für Hyperschallfahrzeuge sowie thermische Schutzsysteme beim atmosphärischen Wiedereintritt. Die CVI‑Technologie gewährleistet Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Effizienz in den anspruchsvollsten Anwendungen der Luft- und Raumfahrt.
Energie
Kernenergie - Unfalltolerante Kernmaterialien auf Basis von SiC/SiC-Verbundwerkstoffen im Kern eines Leichtwasserreaktors
Fortschrittliche SiC/SiC-CMC sollen die Wasserstoffbildung im Reaktorkern unter schweren Unfallbedingungen verringern.
Unfalltoleranter Brennstoff (ATF) muss während des Normalbetriebs mechanische, neutronische und korrosionsbeständige Eigenschaften aufweisen, die mindestens denen der derzeit verwendeten Zirkoniumlegierungen (Zr) entsprechen, oder diese übertreffen. Siliziumkarbid (SiC) und SiC-basierte Verbundwerkstoffe sind vielversprechende Kandidaten für ATF-Anwendungen aufgrund ihrer geringen Reaktivität mit Hochtemperaturdampf sowie ihrer hervorragenden Korrosionsbeständigkeit, Hochtemperaturfestigkeit und hohen Zersetzungstemperatur.
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